Geschichte der Flying P-Liner

Als Flying P-Liner gelten alle Segelschiffe, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Reederei F. Laeisz befanden. Diese Schiffe trugen die typischen Reedereifarben schwarz-weiß-rot der Reederei F. Laeisz.

Für ihre Robustheit, Sicherheit und Geschwindigkeit waren die Flying P-Liner berühmt. So befanden sich die P-Liner immer auf dem neuesten technischen Stand und verfügten über eine überdurchschnittliche Standfestigkeit gegenüber Wind und Meer. Die Segelschiffe steuerten bevorzugt einige Häfen in Chile an, um Salpeter nach Europa zu transportieren. Dazu mussten sie die riskante Fahrt um das Kap Hoorn bewältigen. Dabei taten sie sich von den anderen Segelschiffen hervor, da sie die Fahrt sehr viel zügiger und sicherer bewältigten.

66 der 86 Segelschiffe, die sich im Besitz der Reederei F. Laeisz befanden, trugen Namen mit dem Anfangsbuchstaben „P“. Dies ist auf eine kleine Bark, die im Jahre 1856 für die Reederei bei H.C. Stülcken gebaut wurde, zurück zu führen. Die Bark wurde nämlich PUDEL getauft – nach dem Spitznamen der Reedersgattin Sophie Laeisz.

Die Reederei F. Laeisz versuchte sich auch im Bau von Vier- und Fünfmastbarken. So wurde 1895 die Fünfmastbark POTOSI fertig gestellt. 1902 folgte dann das Fünfmastvollschiff PREUSSEN. Das Schiff sollte ein Prototyp des Segelschiffs der Zukunft sein. Allerdings bewährte sich der Größensprung nicht, da die Mannschaften dem Schiff skeptisch gegenüber standen und es sehr schwierig war, 8000 Tonnen Fracht in Chiles entlegenen Häfen zu organisieren.

1910 ging die PREUSSEN vor Dover im Ärmelkanal verloren, da sie mit einem anderen Schiff kollidierte. Schon ab 1892 mit dem Bau der Viermastbarken Placilla und Pisagua begann die Entwicklung des optimalen Schiffstyp für F.Laeisz. Daraufhin gab Laeisz den Bau der beiden Segelschiffe PEKING und PASSAT in Auftrag. Beide Schiffe waren baugleich und nur halb so groß wie die PREUSSEN. Sie eigneten sich ideal für den Salpetertransport.

Mit dem Beginn des ersten Weltkriegs 1914 wurden viele Segelschiffe der Reederei F. Laeisz in Chile interniert und mussten danach als Reparation an die Alliierten abgegeben werden. Für die Rückfahrt von Chile erlaubten die Alliierten den Schiffen, noch einmal Fracht auf eigene Rechnung mitzuführen. Glücklicherweise waren die erzielten Gewinne durch den Verkauf des Salpeters so hoch, dass F. Laeisz einen Großteil seiner Schiffe von den Alliierten zurück kaufen konnte.

Die Weltwirtschaftskrise 1931 belastete die Reederei F. Laeisz finanziell so stark, dass sie mehrere Schiffe verkaufen musste. Darunter waren auch die PAMIR und die PASSAT.
So kam es dazu, dass die Reederei zu Zeiten des zweiten Weltkriegs nur noch zwei Segelschiffe besaß – die PRIWALL und die PADUA. Die PRIWALL wurde in Chile interniert und daraufhin an das Land verschenkt. Bei einem Ladungsbrand wurde das Schiff 1945 vernichtet. Die PADUA ging 1946 als Reparationszahlung an die Sowjetunion über und wird seither als Segelschulschiff unter dem Namen KRUZENSHTERN genutzt.
Die Reederei F. Laeisz kaufte diesmal keine der Segelschiffe zurück, sondern konzentrierte sich seither auf die Motorschifffahrt.

Heute gibt es nur noch vier erhaltene Flying P-Liner – die POMMERN, die PASSAT, die PADUA und die PEKING. Die PADUA wird immer noch als Segelschulschiff genutzt, während die POMMERN und die PASSAT als Museumschiff in Mariehamn (Finnland) und in Travemünde. Die PEKING ist aus New York nach Deutschland zurückgekommen und wird nach dem Werftaufenthalt etwa ab 2019 Museumsschiff in Hamburg.