Chronik der Rettung der Viermastbark PEKING  2001 – 2017

Der erfolgreichen Rückführung der PEKING von New York nach Deutschland ging ein über 15jähriger Verhandlungsprozess voraus, in den mehrere Personen und Institutionen eingebunden waren. Nachfolgend sind die wichtigsten Meilensteine in diesem Prozess in chronologischer Reihenfolge dargestellt.

2001
Auf Initiative von Reinhard Wolf, Syndikus der Handelskammer Hamburg, und Joachim Kaiser erfolgt die Errichtung der Stiftung Hamburg Maritim (Stiftung) durch die Hamburgische Landesbank. Ziel der Stiftung ist es, das maritime Erbe Hamburgs zu bewahren; insbesondere soll von allen für den Hafen und die Niederelbe typischen Schiffsgattungen ein Exemplar gesichert, originalgetreu restauriert und soweit möglich durch ehrenamtliche Crews betrieben werden. Neben Wolf als Vorsitzenden wird u. a. Joachim Kaiser, Kapitän und Sachverständiger für historische Schiffe, Gründungsvorstand der Stiftung. Vorsitzender des Kuratoriums wird Ulf Gänger, Vorstand der Hamburgischen Landesbank, Vorsitzender des Beirats Gert Hinnerk Behlmer, Kultur-Staatsrat der Freien und Hansestadt Hamburg

2002
Wolf und Kaiser besichtigen zum ersten Mal in New York die Viermastbark PEKING, das letzte noch verfügbare Exemplar aus der Reihe der legendären „Flying P-Liner" der Hamburger Reederei F. Laeisz. Eigentümer des Schiffes ist das Southstreet Seaport Museum (Museum) in New York. Gegenüber dem Direktor, Peter Neill, äußern beide Interesse an einem Erwerb durch die Stiftung. Neill sagt eine Beratung in den Gremien des Museums zu und erklärt vor Jahresende die grundsätzliche Bereitschaft, die PEKING an die Stiftung zu verkaufen.

2003
Henning Schwarzkopf, Anwalt und Unternehmensberater in Hamburg, erfährt von einem amerikanischen Segelfreund, Larry Huntington, im Rahmen der Transatlantikregatta DCNAC von der Verkaufsbereitschaft der PEKING-Eigentümer und wendet sich an Wolf mit dem Angebot der Unterstützung dieses Projekts. Fortan verfolgen beide das Projekt in enger Kooperation.

2004/2005
Im Vorstand der Stiftung besteht Einvernehmen, sich um die Rückführung der PEKING zu bemühen, wenn sich das Schiff in einem grundsätzlich reparaturfähigen Zustand befindet und aus privaten Spenden finanziert werden kann; die Kaufpreisforderung von zunächst 8 Mio. USD wird jedoch als deutlich zu hoch eingeschätzt. Nikolaus W. Schües, Eigentümer der Reederei F. Laeisz und Mitglied im Kuratorium, begrüßt die Bemühungen des Vorstands grundsätzlich und stellt Unterstützung in Aussicht.

2006
Reise Wolfs nach New York und Verhandlung mit Tom Gochberg, im „Board of Trustees" des Museums für die PEKING zuständig. Man verständigt sich auf die Eckpunkte eines „Letter of Intent", der u. a. einen Kaufpreis von 2,8 Mio USD vorsieht. Gochberg stößt aber im Board des Seaport Museums auf Widerstand und stellt den Kontakt zunächst ein.

2007
Das Seaport Museum gerät in wirtschaftliche Schwierigkeiten und nimmt wieder Kontakt auf. Um den Zustand des Rumpfes und den Umfamg der erforderlichen Sanierung zuverlässig beurteilen zu können, ist eine Dockung in NY erforderlich. Das Museum stimmt dem zu, sofern die Kosten von der Stiftung getragen werden. Mit juristischer Unterstützung durch den Hamburger Rechtsanwalt Carsten Grau wird ein LoI ausgearbeitet. Akquisition der für die Dockung erforderlichen Finanzen beim Hamburger Beschäftigungsträger „Jugend in Arbeit Hamburg e. V.", der für die Restaurierungsarbeiten nach Grundsanierung des Rumpfes vorgesehen ist. Ansprache von Experten des Germanischen Lloyds und Blohm + Voss für die Untersuchung in NY. Unter Leitung von Kaiser findet im November 2007 die Dockung auf der Werft Caddell Dry Dock and Repair Co. auf Staten Island statt. Dabei wird festgestellt, dass es einen Reparaturbedarf in erheblichem Umfang gibt, das Schiff aber insgesamt reparaturfähig ist.

2008
Gespräche mit der Reederei Combi Lift; Herrn Peer Kelch, über einen Transport an Bord eines Dockschiffs, nachdem die Option eines (deutlich günstigeren) Schlepps sowohl am Schleppgutachten als auch an der Weigerung der Versicherer scheiterte, den Schlepp zu versichern. Parallel Anfrage bei Werften – u.a. Blohm + Voss – nach der Bereitschaft und den Kosten einer Grundsanierung der PEKING. Für die Rumpfsanierung werden knapp 3 Mio. € aufgerufen.

2009
Wolf entwickelt ein Konzept für Kauf, Restaurierung und Betrieb der Peking als Museumsschiff und erreicht auf dieser Basis bei drei Hamburger Kaufleuten Spendenzusagen über insgesamt 5 Mio. € für den Transport sowie die Grundsanierung von Rumpf und Rigg. Eine Finanzierung des Kaufpreises wird aber abgelehnt, weil dieser angesichts des Zustands der PEKING nicht zu rechtfertigen sei. Schwarzkopf kommuniziert dies nach NY und drängt auf Reduzierung der Kaufpreisforderung. Das Seaport Museum stimmt einer Reduzierung auf 1 Mio. € bei späterer Beteiligung an den Besuchereinnahmen grundsätzlich zu.

2010
Im Vorstand und im Kuratorium der Stiftung bestehen erhebliche Bedenken gegenüber dem Projekt und den damit verbundenen Risiken, die mehrheitlich vor dem Hintergrund der bereits eingegangenen verpflichtungen beim zuvor erworbenen Stückgutfrachter MS BLEICHEN als nicht vertretbar angesehen
werden. Wolf beendet seine Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Stiftung und verfolgt das Projekt alleine weiter mit Unterstützung durch Schwarzkopf.

In NY wirbt Gochberg dafür, auf die Hamburger Bemühungen zur Finanzierung des Projekts zu vertrauen und die bereits diskutierte Idee der Verschrottung nicht weiter zu verfolgen.

2011
Blohm + Voss bepreist die erforderliche Reparatur nun mit 15 Mio. €. Wolf nimmt Kontakt auf zur Elsflether Werft und zur russischen Werft Sudoremont Zapad in Kaliningrad, die beide in Vorgesprächen Interesse an der Sanierung gezeigt haben. Beide Werften untersuchen die PEKING in NY und unterbreiten für die Grundsanierung von Rumpf und Rigg Angebote um 5 Mio. €; die russische Werft allerdings mit deutlich größerem Leistungsumfang.

2012
Aufgrund von Presseberichterstattung erkundigt sich der Hamburger Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs bei Wolf nach dem Projekt, erklärt sein Interesse und bietet Unterstützung an.
Im November zieht der Hurrikan „Sandy" über die nordamerikanische Ostküste und richtet in NY schwere Schäden an, auch an den Landanlagen des Seaport Museums. Die PEKING trotzt dem Sturm und wird nicht beschädigt.

2013
Infolge der Sturmschäden gerät das Museum unter Insolvenzverwaltung nach „Chapter 11" und wird dem „Museum of the City of New York" und seiner Direktorin Susan H. Jones unterstellt. Nach Rücksprache mit den Ehrenamtlichen des Museums entscheidet Jones, sich von der PEKING zu trennen und alle Kraft in die Restaurierung des ebenfalls zum Museum gehörenden Vollschiffs WAVERTREE zu stecken.
Am 25. März teilt Jones Wolf mit, dass das Museum die PEKING nun unentgeltlich abgebe, im derzeitigen Zustand und ohne weitere Verpflichtungen. Wolf sagt eine zügige Klärung in Hamburg zu. In der New Yorker Presse wird erstmals über die bevorstehende Abgabe der PEKING berichtet, was in der Hamburger Presse aufgegriffen wird.
Am 8. November gründen Wolf und Schwarzkopf zusammen mit weiteren fünf an der PEKING interessierten Personen den Verein "Freunde der Viermastbark PEKING e. V.", um einen Rechtsträger für die weiteren Verhandlungen und die Transaktion zu haben.

2014
Wolf überarbeitet das Konzept für Transport, Restaurierung und einen selbstTragenden Betrieb der PEKING als Museumsschiff aufgrund der aktuellen Gegebenheiten und bittet die Sponsoren um Bereitstellung der mündlich zugesagten Mittel. Diese verweigern sich nun aber.
Mit Unterstützung der Agentur „Spendwerk" wird ein neues, auf eine breite Zielgruppe ausgerichtetes Spendenkonzept entwickelt und an ca. 200 Persönlichkeiten in Hamburg und Norddeutschland verschickt – die Resonanz ist ist enttäuschend.

Schwarzkopf übermittelt die Bemühungen und die Ergebnisse laufend nach NY, wo als Konsequenz konkrete Pläne zur Verschrottung der PEKING entwickelt werden. Schwarzkopf drängt auf Aufschub, was nicht zuletzt dadurch gelingt, dass die Reederei F. Laeisz die Versicherungsprämien für das liegende Schiff ab 2015 übernimmt.

2015
Wolf informiert Kahrs über die Situation und die drohende Verschrottung der PEKING in NY. Kahrs sagt sein Bemühen um eine öffentliche Finanzierung durch Hamburg und den Bund zu, besteht aber auf Ausarbeitung eines Konzepts für eine umfassende Restaurierung der PEKING mit einer „Haltbarkeitsdauer" von mindestens 20 Jahren und um ein entsprechendes verbindliches Werftangebot.
Weil eine Beauftragung einer russischen Werft aufgrund der aktuellen politischen Situation ausscheidet, bittet Wolf die Elsflether Werft um ein entsprechend erweitertes Angebot. Die Werft untersucht die PEKING erneut in NY unter der neuen Aufgabenstellung und arbeitet ein umfassendes Sanierungsangebot aus.
Im Sommer 2015 unterbreitet die Elsflether Werft Wolf, Kahrs und Behlmer ein Festpreisangebot auf Basis des vorgegebenen Leistungsverzeichnisses. Der Betrag beläuft sich inkl. Transport, Herrichtung des späteren Liegeplatzes vor Schuppen 51 und Unvorhergesehenem auf 26 Mio. €.
Kahrs versucht vergeblich, die Freie und Hansestadt Hamburg für die Übernahme der üblichen Co-Finanzierung in Höhe von 50 % zu gewinnen. Mit Unterstützung seiner Hamburger Bundestags-Kollegen, insbesondere von Rüdiger Kruse und Anja Hajduk, wirbt Kahrs im Haushaltsauschuss für die Finanzierung des Gesamtbetrages.
Am 13. November beschließt der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags die Bereitstellung von insgesamt 120 Mio. € für die Errichtung eines Deutschen Hafenmuseums in Hamburg einschließlich der Rückholung und Restaurierung der PEKING im Volumen von 26. Mio. €; die Mittel sind gegenseitig deckungsfähig.
Gemeinsam mit den Mitgliedern des Vereins entwickelt Wolf ein umfassendes Konzept für eine eigene Stiftung als dauerhafte Eigentümerin der PEKING, die Organisation der Restaurierung sowie die Übertragung des laufenden Betriebs nach Fertigstellung an den Verein.
Auf der Mitgliederversammlung Ende November beschließt der Verein, sich für alle am Erhalt der PEKING Interessierten zu öffnen und dem Eigentümer des Schiffes den dauerhaften Betrieb auf ehrenamtlicher Basis anzubieten. Mathias Kahl löst Wolf als Vorsitzenden ab.

2016
Im Auftrag der Stiftung untersuchen die Sachverständigen Detlev Löll und Ben Lodemann die PEKING in New York und bestätigen die Reparaturfähigkeit im Rahmen der bewilligten Mittel.
Die von der „Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien" mit der Durchführung des Projekts beauftragte Kulturbehörde Hamburg vereinbart in einem Letter of Intent mit der Stiftung Hamburg Maritim, für die Restaurierungsphase das Schiff in das Eigentum der Stiftung zu überführen und dieser die Organisation des Transports und die Durchführung der Restaurierung zu übertragen. Danach soll die PEKING als wichtigstes Ausstellungsstück Bestandteil des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg werden. Kaiser wird Projekt-verantwortlicher auf Seiten der Stiftung.
Mit Empfehlung des Beirats stimmt das Kuratorium der Stiftung unter Vorsitz von Nikolaus H. Schües am 26.4.2016 dem Letter of Intent zu. Nach entsprechender Ausschreibung wird die Reederei Combi Lift im Bremen mit dem Rücktransport der PEKING per Dockschiff beauftragt.
Nach entsprechender Ausschreibung erhält die Peters Werft im Wewelsfleth den Auftrag zur Restaurierung.

2017
86 Jahre nach ihrem letzten Auslaufen aus dem Hamburger Hafen erreicht die PEKING am 31. Juli an Bord des Dockschiffes COMBI DOCK III wieder die Elbe, wird im Elbehafen Brunsbüttel ausgeschwommen und am 2. August per Schlepper zur Peters Werft in die Stör verholt, wo die Restaurierung unverzüglich beginnt.

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Reinhard Wolf / Henning Schwarzkopf / Joachim Kaiser           Hamburg, April 2018